Dorfchronik

Die Lage

Staudt liegt im südlichen Westerwald, am Rande der Montabaurer Senke und gehört zum sogenannten „Kannenbäckerland“. Mit seinem südlichen Teil breitet sich Staudt auf dem 286 Meter hohen Hang des Berges „Am Hähnchen“ aus, während sich der Ort mit seiner weiteren Fläche in 265 Meter Höhe nach Osten und Westen in einer Ebene ausdehnt. Im Norden liegt das restliche Wohn- und Neubaugebiet auf den Ausläufern des 277 Meter hohen Krambergs.

Staudt ist nur jeweils zwei Kilometer von den Städten Montabaur und Wirges, sowie von den überregional wichtigen Verkehrsstraßen B 255 und A 3 entfernt. Limburg und Koblenz sind per Auto in 20 Minuten, Köln und Frankfurt in einer Stunde zu erreichen. Der ICE Bahnhof Montabaur ist nur 2 Kilometer entfernt, die Fahrtzeit nach Köln und Frankfurt beträgt nur je 30 Minuten.

Staudt bzw. Stude et Niderstude 1385
Staudt bzw. Stude et Niderstude 1385

Geschichte

Den Ort Staudt gibt es seit dem Spätmittelalter. Er gehört seit jeher zur Pfarrei Wirges, die ursprünglich eine Tochterpfarrei der Pfarrei Humbach-Montabaur war, sich im Laufe der Zeit aber verselbstständigte. Das Patronatsrecht und der Zehnte (ein Pachtzins) der Pfarrei Wirges wiederum stand dem St. Florinsstift von Koblenz zu. Die erste urkundliche Erwähnung von „Stude“ resultiert aus einer Urkunde des Florinstiftes aus dem Jahre 1367. Genauer gesagt ging es dort um die Verpachtung von Korn, Hafer und Hühnern innerhalb des Bannes Montabaur, zu dem auch Staudt zählte. Im Bann Montabaur übte der Erzbischof von Trier die alleinige Gewalt über die Bewohner aus, die Dörfer waren zu Frondiensten verpflichtet, d.h. die Einwohner waren unfrei, zählten als „Güter“ und gingen bei Verkauf oder Tausch in den Besitz des neuen Herren über. Der Bann war in einzelne Verwaltungsbezirke aufgeteilt, zusammen mit sechs weiteren Orten bildete Staudt -mindestens ab 1488- die sogenannte „große Zeche“, bis im Jahre 1653 eine Neuaufteilung erfolgte. Von dort an gab es eine Zeche mit Leuterod, Hosten, Ötzingen und Staudt.

Dies war kurz nach dem Ende des 30-jährigen Krieges (1618-48), der auch für Staudt nicht ohne Folgen blieb, da die Familienzahl von 18 im Jahr 1605 auf neun 1684 gesunken war. Es ist anzunehmen, daß es bei Kriegsende noch weniger Einwohner gab, da ein Einwohnerverzeichnis von 1678 lediglich sieben Familien auflistet. Vorbeiziehende Heere brachten Schrecken und Armut in den Bann Montabaur, viele Menschen flüchteten, fast zwei Drittel starben! Vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Bann Montabaur aufgeteilt und es entstand ein Bann Wirges (ein genaues Datum ist nicht bekannt), dem auch Staudt angehörte. Der Amtsverwalter Hofrat Linz berichtet 1786 folgendes:

„Die Einwohner des Bannes Wirges zeichnen sich merklich aus, sind arbeitsam, mutig (d.h. unternehmungslustig) und doch gelehrig, lieben die Fremde, sind zu Haus bis zum Geiz sparsam und im Wirtshaus zum Prahlen verschwenderisch, können mehr reinlich als unreinlich genannt werden.“

Buna 1762
Alte Karte von 1762. Exactissima totius Vederoviae late sumtae tabula… Buna, G.C. / Reinhardt, A.:

Seit dem Ende des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ im Jahre 1806 bis zum Deutschen Krieg 1866 zählte der Ort (damals auf der Seite Österreichs kämpfend) zum neugegründeten Herzogtum Nassau. Nassau wurde annektiert, Staudt war fortan preußisch und zunächst Teil des Norddeutschen Bundes, später dann des Deutschen Reiches.

2. Weltkrieg

Zwei Weltkriege hat der Ort und seine Bewohner durchlebt. Bei einem Bombenangriff wurden am 18. März 1944 18 Gebäude völlig zerstört. Aber nicht nur diese Häuser sind längst wieder aufgebaut, es gelang den Wandel von einer landwirtschaftlich zu einer von Industrie und Dienstleistung geprägten Siedlung einzuleiten.

Nachkriegszeit

War zur Jahrhundertwende fast die ganze Bevölkerung in der Landwirtschaft oder beim Tonabbau in Staudt und Umgebung tätig, so hat sich dies grundlegend gewandelt. Die zunehmende Mechanisierung in diesen Bereichen und eine verbesserte Verkehrslage bewirkten die Veränderung zum Gewerbe- und Industriestandort sowie reinem Wohnort. StrukturwandelSo bietet Staudt heute Arbeitsplätze in seinem Industriegebiet und attraktive innerdörfliche Wohnflächen für seine Einwohner. Dabei profitiert Staudt von seiner extrem verkehrsgünstigen Lage an A3 (Ost-West) und B255 (Nord-Süd), die den Ort auch für viele auswärtige Neubürger interessant gemacht hat. Dadurch hat sich die Einwohnerstruktur verändert: 1. Im Vergleich zu den umliegenden Ortschaften wächst Staudt noch (von 2003 auf 2013 ein Plus von 130 Einwohnern) und 2. Die alteingessesen Familien, die in mehr als einer Generation in Staudt leben werden (prozentual gesehen) weniger.

Herausforderungen heute

Staudt ist heute ein Kleinzentrum in dem seine Bewohner angenehm wohnen, sich bestens versorgen und schnell zu Arbeitsplatz gelangen können. Das Industriegebiet „Feincheswiese – Auf der Heide“ und die zahlreichen Unternehmen im Ortsgebiet sind Zeugnis dieser Entwicklung, ebenso wie die Neuerschließung der Baugebiete „Am Kramberg“ und  „Erbsengarten“. Diese Entwicklung ist nicht unproblematisch, die gute Verkehrslage wird mit einem hohen Durchgangsverkehr (ca. 6.000 Autos täglich) sozusagen „erkauft“, Bau- und Mietpreise haben sich teilweise erheblich verteuert.

Staudt ist heute eine engagierte Gemeinde mit einem aktiven Dorf- und Vereinsleben, in der Zusammenhalt und Geselligkeit zwar groß geschrieben aber zunehmend weniger „gelebt“ werden. Es ist müßig das an dieser Stelle auszuführen, aber hier einige Stichworte/ Thesen:

  • Trotz der Einwohnerzunahme gibt es immer weniger aktive Vereinsmitglieder. Mitgliederschwund bei Sportverein, MGV, Feuerwehr. Mitgliederplus bei Choryfeen, FFZ und teilweise Tennisclub. Könnte sich die Waage halten. Eine KJG gibt es nicht mehr, dafür eine kleiner Gruppe Pfadfinder. Kirmesgesellschaft aktiv wie eh und je; seit den 1995er Jahren auch mit weiblichen Kirmesmädchen im KG-Jahrgang.
  • Immer weniger Kirchgänger. Aber im Verhältnis zu Bannberscheid, Moschheim und Wirges stellt Staudt noch relativ viele Kommunionkinder. Aber auf deutlich niedrigerem Niveau als noch eine Generation zuvor. Ohne Mädchen kein Meßdienerbetrieb möglich. Das gibt es seit den 2000er Jahren. Kirchenförderung für den Erhalt des Gebäudes gegründet.
  • Nur noch eine Gaststätte („Zur Krone“), statt früher drei. Dort nur freitags regelmäßig „großer“ Betrieb und im Sommer im Biergarten. Den Dauerbetrieb halten auswärtige Stammgäste aufrecht, weniger die Staudter Dorfbevölkerung.
  • Das zentrale Dorffest ist und bleibt die Kirmes. Durch Bildung eines Kirmesausschusses 2003 wurde das Programm akttraktiv gehalten und Dorfbevölkerung mobilisiert hinzugehen. Schwierig ist und bleibt die Suche nach einem Zeltwirt. Die Staudter Wirte gibt es ja nicht mehr und Doris ist das zu aufwändig. Kann in Zukunft also sehr kritisch werden.

Fazit: Grundstrukturen seit Jahrzehnten stabil bzw. im Wandel. Das Niveau ist niedriger, aber die Existenz noch da.

 

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